Drehbuch

Serienkonzept
Gardi´s Welt
Comedy
von
Erika Merklein
D- 86899 Landsberg am Lech, Breslauer Straße 3/A
0163/6304049 oder 00 49/ 8191  9799052
erika.merklein@gmx.net

Wie entstand die Idee:
Ich habe Gardi´s Auftritt „Die Schneiderin“ am Frühling 2012 auf einer Kleinstadtbühne angeschaut und war fasziniert.
Gardi hat die Show sehr kurzweilig am Laufen gehalten. Sie sorgte für Unmenge an Lachen und machte mit ihrem Publikum, was sie wollte. Es war grandios!
Ich amüsierte mich köstlich und war begeistert.
Ziemlich bald ist eine kleine Gardi in meinem Kopf entsprungen. Sie hat sich selbständig gemacht, hat viele kleine und noch kleinere Abenteuer erlebt. Durch dieses Eigenleben entstand schließlich Gardi´s Welt.

Darstellerin:
Die Schweizerin Gardi Hutter ist Komödiantin mit 30 Jahren Berufserfahrung.
Sie gilt als das weibliche Vorbild für das Clowntheater.
Ihre Bühnenfigur ist sehr charakteristisch.
Zu der Serie wird dieser Charakter übernommen.

Genre:
Comedy.

(sehr) Kurzinhalt:
Gardi steht auf. Sie frühstückt und fährt arbeiten. Am Mittag macht sie Mittagspause.
Nach der Arbeit fährt sie wieder nach Hause und geht schlafen.

Die Idee:
Was kann wohl langweiliger sein, als diese Geschichte?!
Nicht bei Gardi!
Sie schlüpft nämlich von Episode zu Episode in eine andere Rolle.
Die Einzigartigkeit von Gardi´s Welt entsteht aus der außergewöhnlichen Idee, die Hauptdarstellerin (Gardi) die gleiche Aufgabe (Tagesablauf) immer wieder aus anderen Perspektiven (Berufe) zu erzählen.

Sie ist mal Kindergärtnerin, mal Automechanikerin, mal Pfarrerin.
Ade Alltagstrott und Langweile!
Die Zuschauer bekommen Einblick in Gardi´s verrücktes Leben. Sie dürfen sie vom Morgen bis zum Abend jeweils einen Tag lang begleiten.

Figuren:

Nebenfiguren:
Die Nebenfiguren sind Alltagsmenschen, realistisch dargestellt.
Kunden, Fahrgäste, Kollegen, Touristen.
Alle Nebenfiguren sind gleichwertig zueinander. Sie besitzen weder vor, noch nach ihrem Auftritt Relevanz.

Hauptfigur:
Gardi. Frech, witzig, radikal.
Mit Strubbelfrisur und  Rubensfigur pfeift sie auf die gängigen Schönheitsideale.
Sie ist mal tollpatschig, mal teuflisch.
Sie ist pflichtbewusst aber nicht immer pflichterfüllend.
Sie kämpft gegen die Tücken dieser Welt und manchmal auch gegen sich selbst.
Sie ist eine wackere Heldin des Alltags.

Komik:
Es gibt zwei Realitäten.
Eine ist unsere Welt, wie wir sie kennen. Die andere ist Gardi´s Welt.
Die Kluft zwischen den beiden Realitäten erzeugt die Komik.

Setting:
Es gibt nur wenig Schauplatzwechsel und keine aufwändige Settings.
Die Schauplätze geben die Realität genau wieder und sind originaltreu.

Manche Schauplätze bleiben episodenübergreifend immer konstant:
Morgen- und Abendszenen in Gardi´s Wohnung.

Manche Schauplätze werden pro Episode zum jeweiligen Beruf angepasst:
Arbeitsplatz, Hinfahrt, Rückfahrt, Mittagspause.

Visuelles Konzept:
Es wird langsam erzählt mit wenigen Kameraeinstellungen.

Struktur:
Die Episoden hängen weder zeitlich noch inhaltlich zusammen. Die Reihenfolge kann beliebig geändert werden.

Drei-Akt-Struktur:
(morgens, tagsüber, abends)

1.Akt:

  • Aufstehen                           (2 min)

Morgenrituale                    (2 min)
(Zähne putzen, Frühstücken, etc…)
Weg zur Arbeit                   (1 min)

2. Akt:
Berufsalltag vormittags     (5 min)

Mittagspause                     (2 min)
Berufsalltag nachmittags   (5 min)

3. Akt:
Weg nach Hause (1 min)

Abendrituale                      (2 min)
(Abendessen, Zähne putzen, etc…)
Schlafen gehen                  (2 min)

Abschluss:
Applaus                             (1-2 min)

Dauer:
Die Episoden sollen 20-25 Minuten lang dauern.

Wiederkehrende Motive/ Running Gag:

Liebesszene zwischen Gegenstände:
Gardi spielt in jeder Episode  Liebesszene mit unterschiedlichen Requisiten vor. Brezel liebt Apfeltasche, Gebetbuch liebt Glockenschnur, Wasserschlauch liebt Feuerwehrhelm, etc…
Die Szenen werden sehr authentisch und auf höchst amüsante Art  mit voller Leidenschaft und viel Geschick inszeniert.

Blumentopf:
Gardi liebt Topfpflanzen. Aber sie ist tollpatschig. So geht in jeder Episode (auf unterschiedliche Art und Weise) ein Topf zu Bruch.

Applaus:
Film wechselt auf Theater. Gardi steht auf der Bühne. Das Publikum applaudiert.
Gardi verneigt sich glücklich und geht. Ununterbrochener Applaus.
Gardi kommt wieder, verneigt sich wieder und geht wieder. Dann kommt sie noch mal, noch mal und noch mal. Der Applaus will nicht nachlassen, Gardi muss immer wieder auf die Bühne. Je öfter sie zurück kommt, desto genervter wird sie.
Am Ende ist sie schon wütend und schickt das Publikum nach Hause.

Berufe/Synopsen:
Für Verfilmung sind zwar alle Berufe geeignet, hier eine engere Auswahl:
Müllmann, Koch, Verkäufer, Busfahrer, Erzieher, Moderator, Feuerwehrmann,  Automechaniker, Fremdführer, Pfarrer.

In welche Beruf Gardi auch immer schlüpft, sie kennt alle Abkürzungen, die Tricks, die ihre Arbeit erleichtern. Ihre Alltags-Praxis besteht aus gut funktionierenden Praktiken.
Aus dem Blickwinkel der Zuschauer sehen diese Praktiken allerdings eher komisch und ungewöhnlich aus.

Köchin:
Gemüse sind mal Freunde, mal Feinde, je nachdem, wie Gardi gerade gelaunt ist. Küchenhilfe zu sein ist nicht einfach. Nach dem monotonen Gemüseschälen, Schnipseln und Suppenrühren ist  die Essensausgabe eine erfreuliche Abwechslung. Hier hat sie das Sagen, was sie auch gerne ausnutzt. (Sie bestimmt, welche Beilage der Gast nehmen soll und  wie groß die Portionen sein sollen.)

Bäckereiverkäuferin:
Gardi ist mit Leib und Seele Bäckereiverkäuferin. Sie hat große Erfahrung  und in manchen Fällen glaubt sie sogar besser zu wissen, was der Kunde braucht, als der Kunde selbst. Ihr Enthusiasmus strahlt während des ganzen Tages aus.

Moderatorin:
Eine drittklassige Moderatorin steht vor der Kamera. Die Gründe, dass sie es nie zu einer erfolgreichen Moderatorin gebracht hat, sucht sie nicht in ihrem Benehmen, sucht sie überhaupt nicht. Sie findet ihre eigenen Reportagen langweilig, ebenso wie die Themen und die Menschen. Sie vergisst sich oft während der Interviews, bohrt mal im Ohr, mal in der  Nase, macht Sekundenschlaf, macht ihre Fingernägel sauber, usw. Erst am Ende werden ihre Träume wieder lebendig und sie verabschiedet sich dementsprechend.

Automechanikerin:
Goldene Regel: Motorhaube auf und entsetzt jammern.
Das kann Gardi sehr gut. Und sie macht dies auch gerne und oft. Den Rest erledigt sie eher künstlerisch. Was kaputt ist, wird zurechtgebogen oder weggeworfen. Es kommt auch mal vor, dass so viele Teile weggeworfen wurden, dass das Auto gar nicht mehr fahrtüchtig ist. Aber die Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Und wenn der Betrachter nicht unbedingt darauf  besteht, mit dem Auto nach Hause zu fahren, mit dem er hergekommen ist, könnte der Tag sogar noch gut ausgehen.

Müllmann: (Müllfrau)
Gardi fängt ihre Arbeit jeden Tag mit großem Elan an. Ihre Begeisterung schwindet während des Tages so, dass zum Arbeitsschluss aus der fleißigen, gutmütige Gardi eine stachelige, erschöpfte und ziemlich schlecht gelaunte Gardi wird. Und das Tag für Tag. Sie findet ihre  Begeisterung genau so in Ordnung, wie ihre Lustlosigkeit und kleine Gemeinheiten.

Fremdführerin:
Ordnung muss sein! Gardi fühlt sich nur dann wohl, wenn sie alles im Griff hat. Das ist schwierig, wenn neugieriger Menschen eine fremde Stadt erkunden möchten.
Gardi hat ihre eigene Fremdführungstechnik entwickelt. Als Erstes, bekommt jeder Tourist eine furchtbar grell leuchtende Mütze. Dann einen, mit Helium gefüllten Luftballon an das Handgelenk, einen großes Schild „Gruppe B“ auf den Rücken, einen Kleineres auf den Brust. Dann herrscht noch der Festhaltepflicht an einer Schnur, welche mit Gardi verbunden ist.
Damit die vielen Neugieriger nicht unkontrolliert herumlaufen, ernennt Gardi selbst Sehenswürdigkeiten aus ihrer Stadt. So müssen sie gar nicht herumlaufen.
Die ganze Besichtigungstour erledigt sie an einer Stelle. Es reicht das Kopfdrehen in die gezeigte Richtung. So werden Bücherladen, Apotheke, Bushaltestelle, Müllbehälter, Gehsteig, Bordsteinkante zu Sehenswürdigkeiten der kleinen Stadt.

Pfarrerin:
Was kann idyllischer sein, als Gemeindepfarrerin in einer kleinen Stadt zu sein? Man radelt am Sonntag früh zur Kirche, währenddessen begrüßt die Leute, die später zum Gottesdienst kommen. Es stört nicht einmal der kleine freche Hund, der sich am Fuß der Pfarrerin festklammert. Und will gar nicht mehr loslassen. Wen stört schon ein kleiner Hund, der sich unter dem Messgewand sich festgebissen hat?  Selbst ein Nickerchen während der Predigt kann verziehen werden. Es sei denn, dass es jemand anderes tut und das auch noch im ersten Reihe. Dann gibt es Ärger!

Kindergärtnerin:
Kinder haben Schutzengel. Das brauchen sie auch in der Einrichtung, in der Gardi als Kindergärtnerin arbeitet. Kinder sind hart im Nehmen- das ist ihr Motto. Dementsprechend lässt sie ihren kleinen Schützlingen Freiraum. Mittagszeit. Gardie katapultiert das Essen auf die Teller, sogar die Kinder zeigen sich von dieser Methode leicht verwirrt. Nachmittag. Ein Kind hängt an ihrem Fuß, ein Anderes trägt sie unter dem Arm und mit ihrer freien Hand schiebt sie einen Kleinen ermutigend Richtung Spielecke.

Busfahrerin:
Gardi ist so routinierte Busfahrerin, sie muss eigentlich gar nicht fahren, das Bus fährt fast von alleine. Umso mehr kann sie sich auf den Ticketverkauf konzentrieren, schließlich Ordnung muss sein. Sie kennt sich mit den Pendlern gut aus. Bevor diejenige einsteigt, der fürchterlichen Mundgeruch hat, holt sie tief Luft und hält diese solange an, bis der Fahrgast sich hinsetzt. Bei großem Andrang steigt sie aus und drückt mit Gewalt die  Fahrgäste in den Bus hinein. Abends stellt sie ihren Schatz am Parkplatz ab und nimmt liebevoll Abschied von ihm. Zu Hause in Bett träumt sie glücklich darüber, das sie gerade ihren  Bus fährt.

Feuerwehrmann: (Feuerwehrfrau)
Die Sirene geht los. Irgendwo brennt es. Gardi springt pflichtbewusst auf und  ist sofort einsatzbereit. Sie rutscht die Stange runter, was nicht so gut gelingt, bleibt  auch mal stecken, aber ihre Entschlossenheit übertönt ihre Tollpatschigkeit. Genauso ungeschickt zieht sie sich an und steigt in das Einsatzfahrzeug ein. Sie zieht sich dort ihre Ausrüstung fertig an, was wiederum nicht so reibungslos abläuft. Sie kommen am Einsatzort an. Gardi versucht noch ihre Ausrüstung zu richten, währenddessen ihre Kollegen das Feuer schon gelöscht haben. Jeder ist zufrieden, Gardi auch. Beim Weggehen stößt sie aus Versehen einen Kübel mit Öl um, niemand merkt es, es entfacht das Feuer wieder. Letzte Szene: zufriedene Feuerwehrleute ziehen heldenhaft ab. Im Hintergrund brennt der Horizont.

Szenenauswahl:
Hier stehen einige ausgearbeitete Szenen. Die Szenen wurden willkürlich ausgewählt und sollen Appetit machen auf Mehr.

Gardi als Bäckereiverkäuferin:
Bäckerei/ innen/ Tag
Gardi steht hinter der Theke, berufstypisch gekleidet.  Der Laden ist noch leer, sie räumt in aller Ruhe und mit viel Liebe und Freude die Ware ein. (Running Gag: Liebesszene mit  Requisiten. Die Gebäckstücke, Brote und Semmeln,  begrüßen einander. Ein Laugenzopf kommt einer Apfeltasche näher und macht ihr den Hof. Als sie sich gerade näher kommen, kurz bevor sie einander küssen, kommt der erste Kunde.) Der Kunde will u.a. genau  diese Apfeltasche. Es folgt ein kurzer, schmerzlicher Abschied zwischen den Verliebten. Gardi trauert mit und bedient den Kunde traurig. Als er weg ist, verfliegt auch Gardis Kummer und sie ist wieder fröhlich und tatkräftig.

Bäckerei/ innen/ Tag
Mehrere Kunden stehen in der Schlange. Ein dicker Mann ist an der Reihe. Er zeigt auf  die Sahnetorte. Gardi schaut ihn an, verschränkt ihre Hände und mit entschlossener Miene verweigert sie ihm die Sahnetorte. Der Kunde zeigt noch einmal darauf, Gardi zeigt stattdessen  auf eine Vollkornsemmeln. Der Kunde ist so überrascht, dass er nicht einmal widerspricht. Er ordert vier  Rosinenbrötchen, Gardi gibt ihm jedoch nur Eines. Der Kunde wünscht noch ein großes Brot, Gardi packt jedoch ein Kleines ein. Der Kunde möchte sechs Semmeln, Gardi packt drei Vollkornsemmeln ein. Der Kunde ist noch nicht fertig mit der Bestellung, aber Gardi tippt schon die Preise in die Kasse ein, packt die Ware in eine Tüte und überreicht diese dem völlig überraschten Kunden. Dieser zahlt und verlässt leicht verwirrt  die Bäckerei. Gardis strenge Gesichtszüge werden wieder weich  und sie wendet sich dem nächsten Kunden zu, der ein wenig eingeschüchtert wirkt.

Bäckerei/ innen/ Tag
Als der nächste Kunde seine Bestellung aufgibt, drückt ihm Gardi eine große Tüte in die Hand, und schickt ihn einige Schritte zurück. Sie deutet ihm, er solle die Öffnung der Tüte auseinander ziehen. Er tut das. Gardi wirft eine Semmeln nach der anderen in die Tüte. Mal von oben, von unten, mit dem Rücken zu ihm, unter dem Fuß, quer unter den anderen Arm. Sie hat sichtlich viel Spaß daran. Als krönenden Abschluss nimmt sie einen Brotlaib, nimmt Anlauf, und schießt wie ein Fußballer. Tor! Sie freut sich über den Treffer wie ein echter Fußballer.

Gardi als Pfarrerin:
Kleines Dorf/ außen / Morgen
Gardi fährt die Straße mit dem Fahrrad entlang. Hier und da stehen Menschen, sie begrüßt sie fröhlich und radelt weiter. An der nächsten Straßenecke lauert der Feind, ein kleiner Hund. Aus  Gardis Gesicht verschwindet die Fröhlichkeit, plötzlich sieht sie überfordert und verloren aus.
Der kleine Hund greift an, hängt sich an Gardis Hosenbein und es scheint, als wolle er dieses  nie wieder loslassen. Gardi fährt mühevoll weiter. Als sie am Horizont verschwindet, hängt der kleine Hund noch immer an ihrem Fuß.

Pfarramt/ innen/ Tag
Gardi steht vor einem großen Schrank, macht die Türe auf  und zieht sich das Messgewand an. Sie betrachtet  sich noch einmal im Spiegel und ist eigentlich zufrieden.  Ihr Blick  wandert  tiefer zu  ihrem Fuß, an dem sich immer noch der kleine Hund festhält. Sie beschwert sich bei Gott, dann zieht ihre Schultern hoch. Es ist nun mal halt so. Sie schnappt sich die Bibel und zieht in die Kirche ein. Der Hund hängt immer noch an ihrem Bein, versteckt unter ihrem Messgewand.

Kirche/ innen/ Tag
Gardi predigt. Sie erzählt die Geschichte, wie Adam und Eva gesündigt haben und aus dem Paradies vertrieben wurden. Zwischendurch macht sie komische Bewegungen, schaut immer wieder nach unten.
Nächstes Bild: Der noch immer am Hosenbein fest hängende kleine Hund.
Gardi tadelt wortlos den Hund. Er soll nicht stören.

Kirche/ innen /Tag
Gardi predigt ohne Worte. Sie erzählt mit Gestik. Gott lieb uns Alle. Er wünscht, dass wir alle gut sind und weder Schlechtes noch Böses tun. Ihre Bewegungen werden immer langsamer, flacher. Sie wird immer schläfriger. Dann nickt sie einmal kurz weg. Als sie aus ihrem Sekundenschlaf wieder erwacht, reißt sie sich zusammen, und tut so, als wäre nichts passiert und predigt weiter.

Sie merkt, dass ein Besucher in der erste Reihe auch weggenickt ist und zeigt sich sehr empört darüber.  Sie erzählt ihre Geschichte weiter, während sie kleine Papierkügelchen formt und  den Eingeschlafenen damit bewirft. Ein Kügelchen fliegt in den Mund des Schlafenden. Gardi ist überrascht von ihrer Treffkunst. Als der Besucher aufwacht, predigt Gardi weiter, mit vorwurfsvollem Blick auf ihn.

Gardi als Müllfrau:
Stadt/ kleine, enge Straße/ morgens/ außen
Gardi ist in typischer Müllmannbekleidung, orange Hose und Weste. Sie ist gut gelaunt, steht hinten auf dem Müllauto, welches langsam fährt, dann anhält. Mit einem breitem Lächeln schwebt sie herunter, bis zur Mülltonne, tut so, als würde sie mit der Tonne einen kleinen Plausch führen,  so wie:
-Wie geht´s?
-Danke, es geht.
-Heute sehen sie aber gut aus. Und so schön voll.
-Danke, ich gebe mir Mühe.
-Na, dann wollen wir mal?
-Machen wir´s.
-Nur nach ihnen.
-Sehr aufmerksam, danke.
Zieht die Mülltonne zum Wagen, hängt diese ein, lässt sie hochfahren, entleeren, dann wieder herunter, hängt sie aus, zieht die Tonne wieder zurück und verabschiedet sich von ihr mit einem mütterlichen Lächeln, leichter Verbeugung  und einer fürsorglichen Abwisch-Bewegung. Pfeifend watscht sie zum Auto zurück, steigt hinten auf und klopft an die Seite, weiterfahren.

Stadt/ kleine, enge Straße/ Abend/ außen
Gardi steht hinten auf dem Müllauto. Sie schaut lustlos und emotionslos vor sich hin, während das Müllauto langsam fährt. Es hält an, Gardi steigt runter, geht über die Straße, wo vier schwarze Mülltonnen stehen.  Schon jetzt wirft  sie einen bösen Blick zu  den nähernden Autos. Der nächste böse Blick geht an die Mülltonnen. Mit Gesten schimpft sie:“ Wie seht ihr aus, hässlich schwarz, übervoll, stinkend, bäh.“ Wütend und widerwillig zieht sie die Tonnen  hinter sich her. Auf der Straßenmitte schaut sie noch einmal auf das Auto. Sie geht langsam zwei Schritte zurück und als das Auto vorbeifahren will, eilt sie vor, hebt ihre Hand hoch, und beginnt  absichtlich ganz langsam die Straße zu überqueren.
Der Autofahrer wird ungeduldig und hupt. Gardi schaut böse-zufrieden zu ihm herüber. Sie lässt die Mülltonne in der Mitte der Straße stehen, läuft noch mal langsam zum Gehsteig zurück und holt die nächste Mülltonne. Als der Autofahrer versucht, der ersten Mülltonne auszuweichen und langsam vorbeizufahren, stellt sie die nächste Mülltonne so ungünstig in den Weg, das er auf keinen Fall vorbei kann. Er schaut sie entsetzt an, sie ihn zufrieden. Sie zieht ihre Schultern hoch, sie kann nichts dafür. Gardi läuft wieder zum Gehsteig und fängt an,  die dort stehenden Mülltonnen zum Müllauto ziehen, langsam und sehr gemütlich  hochzufahren und zu entleeren. Dann zieht sie die Tonne auf den Platz zurück. Als sie auf Augenhöhe mit dem Autofahrer ist, hebt sie ihre Hand jedes Mal  hoch, um zu betonen, wie  wichtig ihre Arbeit ist.
Der Autofahrer ist erst wütend, dann verzweifelt. Als Gardi endlich die Straße freigibt, sitzt er schon längst fassungslos und apathisch hinter seinem Lenkrad. Als er wegfährt, schaut Gardi zufrieden hinterher.

Vergleich:
Hier wird ganz gewagt eine berühmte Comedy Serie zur Analyse hergeholt. So lassen sich Ähnlichkeiten und Unterschiede besser veranschaulichen.

Gardi´s Welt:                                                                              Mr. Bean:

                                                Running Gag:

Kaputtgehende Blumentöpfe,                       Malheur mit dem blauen Auto,

Liebesszene mit Gegenständen,                           Eröffnungszene:

Abschlussszene: Applaus.                                      Strassenlaterne

                                                 Setting:

Meist ein Spielort,                                                       Meist ein Spielort,
wenige Kamera-                                                               wenige Kamera-
Einstellungen.                                                                     Einstellungen.

                                           Weltanschauung:
Weltfremd,                                                               Weltfremd,

Gardi mäßig.                                                             Mr. Bean mäßig.

                                      Rollenverteilung:

Ein Hauptfigur                                                      Ein Hauptfigur
mit Nebendarstellern.                                       mit Nebendarstellern.

                                                    Stil:

Wortloses Theater,                                             Wortloses Theater,
es wird kaum gesprochen.                                es wird kaum gesprochen.

                                                 Struktur:

Voneinander unabhängige Episoden                    Voneinander unabhängige Episoden
Fallstruktur                                                                  Fallstruktur

                                                Spieldauer:
ca.25 min.                                                                     ca. 25 min.

Weitere Staffeln:
Die Serie hat für weitere Staffel durchaus Potenzial. Zum Beispiel:

 

  • Staffel: Berufe. Gardi´s Welt.
  • Staffel: Tiere. Gardi und die Tiere.
  • Staffel: Sport. Gardi und der Sport.
  • Staffel: Länder, Gardi auf Reisen. Gardi als Tourist.
  • Staffel: Länder, Gardi´s Land. Gardi als Einwohner.

 

Berufe:
Müllfrau, Köchin, Bäckereiverkäuferin, Busfahrerin, Kindergärtnerin, Moderatorin, Feuerwehrfrau, Automechanikerin, Fremdführerin, Pfarrerin.

Sport:
Fußball, Golf, Tennis, Bodenturnen, Schach, Kegeln, Joga, Basketball, Tanzen, Synchronschwimmen.

Tiere:
Pferd, Hund, Kaninchen, Hühner, Kuh, Wellensittich, Katze, Fisch, Krokodil, Gans.

Länder:
Russland, Ungarn, Italien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, England, Peru, Spanien, Amerika.

Kurzwita:
Gardi Hutter
Geboren am 5. März 1953 in der Schweiz.
Sie ist erfolgreiche Komödiantin, mit 30 Jahren Berufserfahrungen und mit etlichen Film- und Bühnendarbietungen. Sie gilt als das weibliche Vorbild für Clowntheater und spielt mit wenigen Worten auf höchstem Niveau.

Erika Merklein
Geboren am 17. November 1971 in Ungarn.
Sie lebt seit 15 Jahre in Deutschland. In Ungarn als Standesbeamtin, in Deutschland als Familienhelferin tätig. Die jahrelang gesammelten literarischer Werke werden nachhinein veröffentlicht. Erst seit kürzen beschäftigt sich intensiv mit Schriftstellerei. Auch als Literatur-Übersetzerin und Drehbuchautorin hat sie ihre ersten Schritte hinter sich gebracht.